Fachtexte

 
I n h a l t s v e r z e i c h n i s

Festansprache zur Sonderausstellung „Meisterwerke der Konditorenkunst“

Kleingebäcke „Plätzchen“

Klugheits- und Verhaltensregeln
von 1870


Mispel

Orgeade, Orgead

Osterfreuden vom Konditor

Petits fours

Rote Karamel - Osterhasen

Schwarzwälder Kirschtorte

Vertrag zwischen Martin Weinkamer und Philipp Groß

Wer die Holzmodel geschnitzt hat...
 

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Klugheits- und Verhaltensregeln von 1870

(aus dem Schulheft des Konditor - Lehrlings Michael Schmitt aus Kitzingen) [1]

Richte Deine Aufmerksamkeit auf Alles, was Dich umgibt und was Dir jetzt noch neu ist, und nimm durch bescheidene Fragen Belehrungen über Dir fremde Gegenstände willig an; denn es ist niemand so gering, von dem man nicht noch etwas erlernen könnte.

Sei in Erfüllung Deiner Pflichten, in Ausführung der Befehle und Aufträge Deines Lehrherrn und seiner Stellvertreter und überhaupt eines Jeden, den es Dir zu gehorchen obliegt, willig, pünktlich, schnell und unverdroßen.

Vertheile, wenn viele Geschäfte auf einmal zusammentreffen, sie klug und ordnungsgemäßig und notire auf der Stelle, wenn auch nur flüchtig das, was aufzuzeichnen ist, ehe Du zu etwas Anderen schreitest; denn die Hoffnung, alles im Gedächtnisse treu aufzubewahren, ist trüglich und die Veranlassung zu vielen Unordnungen.

Vor allem aber sei der Vortheil Deines Principals Dein hauptsächliches Augenmerk. Suche deshalb überall zu sparen und mit Allem haushälterisch umzugehen, wo es mit Anstand geschehen kann; denn die Ersparung anscheinend geringer Kleinigkeiten macht in einer Reihe von Jahren schon bedeutende Summa aus, abgesehen davon und daß durch diese Gewöhnung ein sparsamer, haushälterischer Sinn für das ganze Leben erweckt wird.

Gewöhne Dich bei allen Deinen Verrichtungen Besonnenheit und Umsicht, mit Schnelligkeit und Behutsamkeit zu verbinden.

Hüte Dich ferner vor unzeitigem Scherze und unreifen, faden Witze und spitzfindigen Spotte, sei im Gegentheil artig und zuvorkommend gegen Jedermann und wähle Dir zum Umgange Freunde von guten Sitten und edler Wißbegierde, an die Du Dich in den wenigen Stunden, die Dir die Berufsgeschäfte frei lassen, zur Vervollkommnung Deiner wissenschaftlichen Kenntnisse anschließen kannst, wozu die Mittheilung und Austauschung wechselseitiger Ideen höchst nützlich ist.

Vermeide durchaus den Umgang mit schlechter Gesellschaft, mit unsittlichen Personen jeden Geschlechts, die durch Verführungen und Lockungen des Principals und anderer Personen Eigenthum bei der Leichtigkeit der Mittel und Wege dazu und nirgends besser als beim Handelsstand schädigen können.

Vermeide ferner jede Klatscherei und Zänkerei mit dem Gesinde und sonstigen Hausgenossen, ebenso wie zu enge Freundschaft und gemeine Verthraulichkeit gegen sie, sondern gehe stets, auch bei vor kommenden Kränkungen und Verleumdungen, ruhig Deinen Weg gerade aus und ein so eingerichtetes Benehmen wird Dir die Achtung, die der Gebildete vor dem Ungebildeten überall hat, auch in Deinen jetzigen Verhältnissen erzwingen.

So löblich auch für den Kaufmann die wohl angebrachte Sparsamkeit ist, so muß doch der Geiz ihm ganz fremd sein und trotzdem, daß alle Geschäfte den Hauptzweck haben, Vermögen zu erbringen, um ein beständiges Durchkommen zu sichern und mit anständigen Mitteln sich Anderen nützlich zu machen und bei günstigen Konjunkturen und Gewinn versprechenden Gelegenheiten das Geschäft zu vergrößern, oder auch die Nachtheile mißlungener Spekulationen, wie z.B. das Fallen der Preise von in Massen gekaufter Waaren, die Nichtnachfrage einzelner großer Waarenartikel weniger fühlbar zu machen und dennoch über so vieles Handelskapital disponieren zu können, daß dadurch im eigenen Geschäfte keine Störung veranlaßt wird. So halte den wahren gebildeten Kaufmann für keinen bloß erbsüchtigen Gelderoberer, sondern nun für ein edles, gemeinnütziges Glied der menschlichen Gesellschaft, der seinen Überfluß außer Obigem, zum Heile seiner ärmeren Mitmenschen verwendet. Daher lasse auch Dein ganzes Bestreben dahin gerichtet sein, einem solchen Vorbilde nachzukommen, und das Bewußtsein der allseits treu erfüllten Lebenspflichten wird Dich beglücken bis in das späteste Alter und Dir den Abschied erleichtern von diesem irdischen Leben in ein glücklicheres Jenseits.

Walter Poganietz

[1] E.01.014

Conditorei-Museum Kitzingen am Main      

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