Konzeption

Das Süße Labor

 

Was ist das Süße Labor?

Im Süßen Labor stehen Zucker, Zuckerersatzstoffe und ihre Verarbeitung sowie Schokolode oder Gummibärchen im Mittelpunkt. Im Süßen Labor erfolgt die Verarbeitung über die flüssige Phase.

Physikalische, chemische und biologische Inhalte werden in das Labor integriert. Am Beispiel der Bonbonherstellung soll dies erklärt werden:

Zur Bonbonherstellung benötigt man Saccharose, Glucose, Aromen und Farbstoffe. Damit erschließen sich, neben dem eigentlichen Gießvorgang, folgende Themenfelder:

  • Chemische Reaktion (Karamellherstellung als chemische Reaktion)
  • Zuckerchemie mit ihrer Analytik (z.B. Invertzucker und Polarimetrie)
  • Zucker im Vergleich zu Glas, beide Stoffe sind unterkühlte Schmelzen, Teilchenvorstellung
  • Geschichtliche und gesellschaftswissenschaftliche Themen, wie der Wandel des Zuckers vom Luxusprodukt zum „Gesundheitskiller“ lassen sich aufzeigen. Dadurch wird der Kompetenzbereich Bewertung aufgegriffen.
  • Aromastoffe (Etherische Öle, Ester), ihre Gewinnung oder Herstellung (Gewinnung aus Pflanzen durch Wasserdampfextraktion, Estersynthesen) und Ihre Identitätsprüfung über Gaschromatographie und Infrarotspektroskopie
  • Farbstoffe (VIS-Spektroskopie, was ist Farbigkeit)

Das Süße Labor ist ein Produktions- und ein Analytiklabor.

Neben der Arbeit im Labor ist aber auch die Präsentation der Arbeiten, in Form von Angeboten des Schülerlabors oder bei besonderen Anlässen, ein wesentlicher Bestandteil des Süßen Labors.

 

Das Süße Labor als Schülerlabor

Das Süße Labor wird als Schülerlabor organisiert und tritt gleichberechtigt neben das Gituma - Schülerlabor (Gießereilabor Metalle).

Das Süße Labor wird in den Wahlunterricht, in P-  und W - Seminare und in die Übungen des regulären Chemieunterrichts (z.B. Übungen der 9. und 10. Klassse,  Biologisch-Chemische Praktikum in der 11. Jahrgangsstufe) eingebunden.

Das Süße Labor bietet auch Themennachmittage für andere Schulen an, bei denen Schüler/innen unter der Aufsicht von Lehrern Kurse betreuen.

 

Das Süße Labor und das Conditoreimuseum Kitzingen

Das Süße Labor arbeitet mit dem Conditoreimuseum zusammen. Diese Zusammenarbeit erstreckt sich über mehrere Gebiete, z.B.:

  • Das Museum als Ort, um die Geschichte des Zuckers zu erleben
  • Nutzung von historischen Formen aus dem Fundus des Museums
  • Nutzung von Spezialliteratur aus der umfangreichen Bibliothek des Museums
  • Vorträge und Demonstrationen der Süßen Kunst in Zusammenarbeit mit dem Museum, z.B. in der Rathaushalle durch Schüler/innen

Bisher ist keine Möglichkeit gegeben, solche Demonstrationen im Rahmen einer Veranstaltung im Museum abzuhalten. Dazu sind die Räumlichkeiten nicht geeignet. Eine Möglichkeit böte ein Veranstaltungsraum in einem erweiterten Museum.

 

Vision: Das Süße Labor im Conditoreimuseum Kitzingen

Momentan gibt es keine Möglichkeit, Livevorführungen oder Vorträge mit Unterstützung von audiovisuellen Medien durchzuführen.

Da im Rahmen einer Machbarkeitsstudie die Erweiterung des Conditoreimuseums untersucht wird, soll hier eine Vision von einem Veranstaltungsraum im Museum aufgezeigt werden.

 

Ausstattung des Raumes

  • Ein Veranstaltungsraum soll Platz für eine Schulklasse bieten. Für die Bedürfnisse des Museums ist Platz für 50 Personen notwendig (Besuchergruppen, die mit dem Reisebus ankommen).
  • Der Veranstaltungsraum muss einen Schauküche beinhalten, das ist ein Labortisch mit Warm- und Kaltwasser- und Elektroanschluss, Kochplatten und einem Backofen. Ebenso muss eine Spülmöglichkeit vorhanden sein (Spülbecken und Spülmaschine).
  • In diesem Raum muss es möglich sein, Wasserdampf zu erzeugen, ohne das ein Rauchmelder Alarm auslöst.
  • Audiovisuelle Hilfsmittel müssen vorhanden sein (Computer, Beamer, Leinwand).
  • Die Besucher sitzen in Stuhlreihen ohne Tische, optimal wäre ein leicht ansteigendes Auditorium.

 

Verwendung des Raumes

Der Raum kann allgemein als Veranstaltungsraum genutzt werden, in denen Vorträge zu Geschichte, Kultur oder naturwissenschaftlichen Themen, die an das Thema Conditorei angelehnt sind, angeboten werden.

Speziell ist der Raum dafür ausgelegt, Vorträge mit Demonstrationen, die am Thema des Museums ausgerichtet sind, durchzuführen. Das Museum wird damit zu einem lebendigen Museum, das nicht nur Objekte statisch ausstellt, sondern auch die Funktion dieser Geräte zeigt. So könnten folgende Themen vorgeführt werden:

  • Bonbonherstellung (mit und ohne Bonbonmaschine)
  • Gießen von Schokolade
  • Herstellung von Pralinen
  • Herstellung von Speiseeis (Kochsalz-Eismischung als Kältemischung oder Verwendung von flüssigen Stickstoff)
  • Herstellung von Gummibärchen
  • Lebkuchen- und Honigkuchenherstellung
  • Zuckerartistik (Gießen oder Ziehen von Zucker)

Vorträge könnten so gestaltet sein, dass Themen auch eine Erweiterung auf Lebensmittelchemie bzw. Verbraucherschutz erhalten. Themen könnten sein:

  • Nachweisverfahren in der Lebensmittelanalytik
  • Gewinnung von Lebensmittelaromen, Herstellung von Lebensmittelaromen durch chemische Syntheseverfahren
  • Lebensmittelfarben (Was ist Farbigkeit, Vielfalt der Farbstoffe, Allergenes Potential von Farbstoffen)
  • Zuckergehalt von Lebensmitteln - Bestimmen der Zuckerkonzentration
  • Warenkunde Zucker - Welche Zucker gibt es, Herstellung, Handelsformen, Verwendung

 

Kooperation Conditoreimuseum und Schule

Hier bietet das Armin-Knab-Gymnasium eine Zusammenarbeit an. Themen, wie oben aufgeführt, sind oft Themen, die in Seminaren oder Oberstufenkursen bearbeitet werden. Außerdem sind diese Themen Schwerpunkt im Süßen Labor.

Hier wäre eine Präsentation außerhalb der Schule eine Herausforderung für die Schüler/innen und eine win win Situation für die Schule und für die Öffentlichkeit. Neben den Schülern/innen können auch Lehrer solche Vorträge übernehmen.

Die Schule kann aus zeitlichen Gründen solche Vorträge und Vorführungen nicht für Besuchergruppen übernehmen, aber im Rahmen von besonderen Veranstaltungen, die auch eine Regelmäßigkeit haben, ist dies möglich.

Im Rahmen eines Jahresprogramms kann die Schule somit ihren Beitrag leisten.

 

Das Museum als Ort der Fortbildung für Chemielehrer

Als Mitarbeiter für Chemie bei der Dienststelle des Ministerialbeauftragten bin ich auch in der Lehrerfortbildung tätig. Fortbildungen, bei denen nicht nur eine Führung, sondern Vorträge, Demonstrationen und Eigentätigkeit möglich sind, sind eine Option, wenn ein Veranstaltungsraum mit Versuchsküche vorhanden ist. Regelmäßig im Museum angebotene Fortbildungen zu Themen der Süßen Kunstmachen das Museum auf unterfränkischer und bayerischer Ebene bekannt.

 

Resume

Das Museum, das im Moment mehr auf ältere Besuchergruppen, die im Rahmen von Busreisen nach Kitzingen kommen, ausgerichtet ist, wird für Kinde, Jugendliche, Eltern und Erwachsene im Berufsleben attraktiv.

Das Museum könnte mit dem Veranstaltungsraum zu einem Ort der Begegnung und des Austausches werden, zwischen Jung und Alt, zwischen Schülern/innen und der Öffentlichkeit, zwischen Fachmann und Laien.

Für kleine Gruppen sollte auch praktisches Arbeiten möglich sein, so dass schon die Jüngsten z.B. vor Weihnachten Plätzchen backen könnten, und so das Museum zu einem lebendigen Ort der Begegnung machen, wo junge Leute schon früh an das Museum herangeführt und  dem kulturellen Erbe der Conditorenkunst begegnen.

Kaum ein anderes Thema bietet so leicht praktische Themen an, die in Verbindung zu den ausgestellten Objekten stehen.

Martin Schwab, StD

Chemie- und Biologielehrer am Armin-Knab-Gymnasium, Kitzingen

Fachreferent für Chemie bei der Dienststelle des Ministerialbeauftraten in Unterfranken

Referent bei der Akademie für Lehrerfortbildung und Personalführung, Dillingen

 

Weitere Informationen zum Seminar finden sie im Artikel vom April 2017: "Das Conditoreimuseum als Thema für das P-Seminar Zucker" aus der Kitzinger Lokalzeitschrift "Der Falter".