{"id":696,"date":"2017-12-11T13:09:22","date_gmt":"2017-12-11T13:09:22","guid":{"rendered":"http:\/\/conditorei-museum.de\/?page_id=696"},"modified":"2018-01-15T13:08:24","modified_gmt":"2018-01-15T13:08:24","slug":"meisterwerke-der-konditorenkunst-eine-zeitreise-durch-200-jahre-konditorgeschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/conditorei-museum.de\/index.php\/meisterwerke-der-konditorenkunst-eine-zeitreise-durch-200-jahre-konditorgeschichte\/","title":{"rendered":"Meisterwerke der Konditorenkunst \u2013 Eine Zeitreise durch 200 Jahre Konditorgeschichte"},"content":{"rendered":"<div id=\"pl-696\"  class=\"panel-layout\" ><div id=\"pg-696-0\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-696-0-0\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-696-0-0-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-editor panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"0\" ><div class=\"panel-widget-style panel-widget-style-for-696-0-0-0\" ><div class=\"so-widget-sow-editor so-widget-sow-editor-base\"><h3 class=\"widget-title\">Meisterwerke der Konditorenkunst \u2013 Eine Zeitreise durch 200 Jahre Konditorgeschichte (Vortrag von Walter Poganietz)<\/h3>\n<div class=\"siteorigin-widget-tinymce textwidget\">\n\t<p>\u00a0<\/p>\n<p>Der Versuch, die Geschichte der Konditorkunst im Rahmen eines Vortrags oder einer Ausstellung darzustellen, das hie\u00dfe das Meer aussch\u00f6pfen zu wollen. Denn gro\u00df und vielschichtig ist die Thematik. Marzipan und Schokolade, Zucker, Torten und all die anderen Leckereien aus der Konditorei haben jede ihre eigene spannende und gro\u00dfe Geschichte.\u00a0 Es kann also heute nur darum gehen, Ihnen aus der reichhaltigen Handwerksgeschichte ein paar feine \u201ePetit fours\u201c, allesamt \u201eMeisterwerke der Konditorkunst\u201c, vorzustellen und Ihr Interesse f\u00fcr dieses faszinierende Handwerk zu wecken.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Unsere kleine Zeitreise, zu der ich Sie einlade, beginnt am 12. Juni 1747. An diesem Tage wurde in M\u00fcnchen und Dresden gleichzeitig die Hochzeit des Bayerischen Kurf\u00fcrsten Max III Josef mit der 23 \u2013 j\u00e4hrigen kurs\u00e4chsischen Prinzessin Maria Anna Sophie gefeiert. <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Am kurbayerischen Hof in M\u00fcnchen fand aus diesem Anlass ein gro\u00dfes Bankett statt, von dem ein Augenzeuge u. A. berichtet: \u201eAn beyden Enden der Tafel waren von Zucker zwey herrliche Lustgeb\u00e4ude aufgef\u00fchret \u2026 und an der andern Seite zeigte sich ein felsigter Berg, zwischen welchem eine Pyramide in die H\u00f6he stieg, an welcher, als eine Erinnerung der Jahre von der Durchlauchtigsten Braut, 23 Sinnbilder mit Palmzweigen angehefftet waren\u2026\u201c. In Dresden gab der Bayer. Abgesandte Baron von Wetzel im sog. T\u00fcrkischen Palais zur gleichen Zeit ein pr\u00e4chtiges \u201eTractament\u201c und einen Ball, wor\u00fcber der Zeitzeuge berichtet:\u00a0 \u201eDer Garten war herrlich illuminiert und die Tafel im oberen Saale aufgebaut\u2026 Das Confect auf der Haupt-Tafel stellte einen Theil des Schlosses und Gartens zu Nymphenburg in Bayern dar.\u201c <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Ein paar Jahrzehnte sp\u00e4ter, 1789 \u2013 es war das Jahr, als man in M\u00fcnchen begann den Englischen Garten anzulegen - , wird von einer festlichen Abendtafel im Kaisersaal der M\u00fcnchner Burg berichtet: \u201eDie Einbildung meiner Leser lasse vor sich nur die Seltenheit des Aufsatzes erscheinen, welcher alle die Tafeln, so in ein l\u00e4nglichtes Viereck zusammen fliessen, wie eine herrliche Krone bedeckte. Es waren Palmen nach der Ordnung der S\u00e4ulen gesetzt, \u00fcber deren viere w\u00f6lbten sich zierliche B\u00f6gen: zwischen mehr kleineren ward immer ein h\u00f6herer empor getragen, in dessen Mitte von erhabner Arbeit Theodors Bildni\u00df erschien (Anm.: gemeint war Kurf\u00fcrst Karl Theodor). Das ganze Werk war aus kandirten Zucker gebildet, lilienwei\u00df, wie parischer Marmor\u2026.\u201c <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Mit diesen Szenen, meine Damen und Herrn, befinden wir uns mitten in der Welt und der Kunst der Konditoren des 17. und 18. Jahrhunderts.\u00a0 Diese \u00fcbten ihr Handwerk fast ausschlie\u00dflich in f\u00fcrstlichen und herrschaftlichen K\u00fcchen aus, denn der S\u00fc\u00dfstoff, den sie formten und verarbeiteten - der Zucker - war zu teuer f\u00fcr das Volk. Die von den Konditoren gestaltete Tafelzier bildete regelm\u00e4\u00dfig den H\u00f6hepunkt der ber\u00fchmten Schau- und Festessen des Barock und Rokoko. Dabei waren der Kreativit\u00e4t des Hofkonditors kaum finanzielle Grenzen gesetzt, ja er war geradezu gehalten, den verschwenderischen Lebensstil und die ganze Pracht f\u00fcrstlicher Hofhaltung in seinen Kunstwerken und Arrangements zum Ausdruck zu bringen. Die Luxusprodukte der Konditoren waren Statussymbole der Reichen. Unter diesen g\u00fcnstigen Umst\u00e4nden entwickelte sich der Konditor zu einem Meister der Dekoration und der Tafelarchitektur. Auch Goethe preist in \u201eWilhelm Meister`s Lehrjahre\u201c anl\u00e4sslich eines Hochzeitsmahls die Kunstwerke der Konditoren. Zitat: \u201eAller Hausrath, Tafelzeug, Service und Tischaufs\u00e4tze stimmten zu dem Ganzen, und wenn mir sonst die Baumeister mit den Conditoren aus einer Schule entsprungen zu seyn schienen; so war hier Conditor und Tafeldecker bei dem Architekten in die Schule gegangen\u201c.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die architektonischen Leistungen der Konditoren beruhten nicht unwesentlich auf der Verwendung von Bauteilen, die mit Hilfe von h\u00f6lzernen Model abgeformt wurden. Die gebr\u00e4uchlichste Modelliermasse f\u00fcr die zierlichen S\u00e4ulen, Balustraden oder Gartenanlagen en miniature war Tragant. Hierbei handelt es sich um eine essbare stabile Modelliermasse, die aus der gummiartigen Ausscheidung des kleinasiatischen Astragalusbaumes hergestellt wird.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Auf \u00e4hnliche Weise entstanden die weit verbreiteten Bildgeb\u00e4cke. Die fein gestochenen Bilder der h\u00f6lzernen Model sind noch ein Abglanz jener Zeit, als anscheinend nur der Lebensstil f\u00fcrstlicher Hofhaltungen nachahmenswert erschien. Die pr\u00e4chtigen Reiterportraits und die vornehmen Damen mit ihren hohen Frisuren und dem F\u00e4cher in der Hand, z\u00e4hlen zu den kunstvollsten Model des 18. Jahrhunderts. Bei ihrem Anblick f\u00e4llt es oft schwer, sie nur als Arbeitsmittel zu begreifen, mit deren Hilfe der Konditor komplexe Bildinhalte auf rationelle Weise beliebig h\u00e4ufig reproduzieren konnte. Solche Model wurden nicht selten vom Konditor selbst gestochen. Aber meist waren es professionelle Modelstecher, die nach Vorlage zeitgen\u00f6ssischer Kupferstiche arbeiteten. Die Bilderwelt der Backmodel ist heute ein weites und ergiebiges Feld der Volkskunde.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcr die Bildgeb\u00e4cke benutzte der Konditor haupts\u00e4chlich Marzipan als Modelliermasse, ein Konfekt aus Mandeln, Zucker und Rosenwasser. Dieses \u201eHaremskonfekt aus Tausend und einer Nacht\u201c, wie es Thomas Mann nannte, war bereits um 800 n. Chr. am Hofe der Kalifen eine kostbare und begehrte S\u00fc\u00dfigkeit. Die Kreuzfahrer und die Seefahrt und Handel treibenden Venezianer brachten sie im 14. Jahrhundert zuerst nach Mitteleuropa. Die wertvollen Marzipanbilder, \u201eMarzipane\u201c genannt, wurden vom Konditor mit selbst hergestellten Pflanzenfarben kunstvoll bemalt und nicht selten auch mit Blattgold verziert. Zur Abformung der Modelfiguren verwendete man aber auch weniger wertvolle Teige. \u201eEiermarzipan\u201c oder auch \u201eEierzucker\u201c genannt, war die preiswertere Alternative zum teueren Mandelmarzipan. Es ist ein einfaches Geb\u00e4ck aus Zucker, Mehl, Eiern und Ammonium. Aus diesem Teig sind die bekannten \u201eSpringerle\u201c. Wenn der Teig richtig ist, springen sie leicht aus dem Model.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Mit dem Aufkommen der Porzellanmanufakturen im 18. Jahrhundert stand ein alternatives, haltbareres und unvergleichlich edles Material f\u00fcr die Tafelzier der Reichen zur Verf\u00fcgung. In M\u00fcnchen nahm 1754 die Nymphenburger Porzellanmanufaktur ihre Produktion auf und gleich zu Beginn erlebte sie einen k\u00fcnstlerischen H\u00f6hepunkt, denn f\u00fcr sie arbeitete der geniale Figurist Franz Anton Bustelli. Zwischen der Kunst der Konditoren und der T\u00e4tigkeit der Porzellank\u00fcnstler bestanden mancherlei Gemeinsamkeiten. Hans Sonntag verweist in seinem Bildband \u201eMeissener Porzellan\u201c auf diese Zusammenh\u00e4nge: \u201eVon der Tragant-Zucker-Kunst der Conditoren gingen vor allem handwerklich-technische Anregungen aus, die f\u00fcr das europ\u00e4ische plastische Porzellanschaffen relevant wurden. Zwischen den Gebilden aus Tragant-Zucker und den Plastiken aus Porzellan besteht eine Reihe von Gemeinsamkeiten, wie die Ausformung der Einzelteile mittels Quetschformen, die Vorg\u00e4nge des Bossierens, das Trocknen an der Luft, das Backen beziehungsweise Brennen in \u00d6fen, das Glasieren und schlie\u00dflich die farbige Bemalung sowie die st\u00e4ndige Reproduzierbarkeit aller Objekte.\u201c <a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> Solche Zusammenh\u00e4nge sind schon im \u201eFrauenzimmerlexikon\u201c des Amaranthes aus dem Jahre 1773 nachzulesen:\u00a0 \u201eDie leichtesten Vorstellungen bey gro\u00dfen Desserts sind die Lustg\u00e4rten mit Spazierg\u00e4ngen, Geb\u00e4uden \u2026\u2026 zu welchen letzteren die Porcellaine-Fabriken \u2026 die sch\u00f6nsten und zierlichsten Figuren von allen nur erdenklichen Arten zubereiten, und den Conditoren dadurch viel Arbeit ersparen, weil diese vormals dergleichen Figuren und Statuen von Tragant-Teige oder Caramel-Zucker m\u00fchsam und mit viel Kosten verfertigen mussten\u2026\u201c<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die M\u00fcnchner Hofkonditoren z\u00e4hlten zu den Hofbediensteten und genossen gewisse Freiheiten gegen\u00fcber ihren z\u00fcnftigen Kollegen drau\u00dfen in der Stadt. Denen pfuschten sie allerdings h\u00e4ufig ins Handwerk, was regelm\u00e4\u00dfig zu Rechtsstreitigkeiten f\u00fchrte. <a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> F\u00fcr das \u201es\u00fc\u00dfe Leben\u201c der B\u00fcrger waren im \u00dcbrigen bis weit ins 19. Jahrhundert hinein fast ausschlie\u00dflich die Honigb\u00e4cker, also die Lebk\u00fcchner, verantwortlich. Zu deren bekanntesten z\u00e4hlte die M\u00fcnchner Familie Ebenb\u00f6ck, die urspr\u00fcnglich im Rosental ans\u00e4ssig war und deren Nachfahren Finsterwalder sp\u00e4ter in der Schwanthalerstrasse ihr Handwerk betrieben. Die wenigen \u201eB\u00fcrger\u201c-Konditoren aber bedienten mit ihren exklusiven und teueren Zuckergeb\u00e4cken die Haute Vol\u00e9e der Stadt. F\u00fcr M\u00fcnchen ist der erste \u201eb\u00fcrgerliche\u201c Zuckerb\u00e4cker 1618 nachgewiesen und einunddrei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter nach dem gro\u00dfen Krieg 1649 waren es noch immer nicht mehr. <a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Aus einer Beschwerdeschrift des Jahres 1793, die im M\u00fcnchner Stadtarchiv verwahrt wird, geht hervor, dass es um diese Zeit in M\u00fcnchen gerademal neun Zuckerb\u00e4ckergerechtigkeiten gab. <a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Am Ende des 18. Jahrhunderts f\u00fchrten die Ideale der Franz\u00f6sischen Revolution \u2013Freiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit- zu gro\u00dfen sozialen und gesellschaftlichen Ver\u00e4nderungen in ganz Europa. Auch die verschwenderische h\u00f6fisch \u2013 zeremonielle Geselligkeit des Barock und Rokoko fiel zumindest in ihren Ausw\u00fcchsen der politischen Entwicklung zum Opfer. Stattdessen entwickelte sich vor allem im Biedermeier eine feine Esskultur, die von einem zu Ansehen und Wohlstand gekommenen B\u00fcrgertum gerne gepflegt wurde. Am Entstehen dieser verfeinerten b\u00fcrgerlichen Gastlichkeit und Wohllebigkeit hatte der Konditor mit seinen Produkten einen wesentlichen Anteil.\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Besonders die Torte wurde damals\u00a0 zum Inbegriff konditorlicher Kunst und entwickelte sich zum wichtigsten Festgeb\u00e4ck, was sie bis heute geblieben ist. Dabei war es den M\u00fcnchner Konditoren bis Ende des 18. Jahrhunderts noch gar nicht gestattet, Torten herzustellen. Dieses Privileg besa\u00dfen vielmehr die hiesigen Pastetenb\u00e4cker, die neben Pasteten und Torten auch Buttergeb\u00e4ck herstellen durften. Erst als sich die Z\u00fcnfte der M\u00fcnchner Zucker- und Pastetenb\u00e4cker im Jahre 1793\u00a0 zusammenschlossen, durften auch die Zuckerb\u00e4cker Torten herstellen. <a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> In kurzer Zeit ist es den Konditoren gelungen, die einstige s\u00fc\u00dfe Pastete zu einem Premiumprodukt ihres Handwerks zu veredeln.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Mit dem Beginn der Massenproduktion von Zucker aus der heimischen Zuckerr\u00fcbe in der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts erlebte das Konditorenhandwerk einen ungeahnten Aufschwung und zwar zulasten der Honigb\u00e4cker. Zuckergeb\u00e4cke wurden nun auch f\u00fcr eine breite Mittelschicht der Bev\u00f6lkerung erschwinglich und waren hei\u00df begehrt. Es war die Geburtsstunde der modernen Konditorei. Im M\u00fcnchner Adressbuch von 1842 finden wir bereits 12 Konditoren, unter ihnen auch Carl Rottenh\u00f6fer in der Residenzstrasse. J. Schafft, ehedem k\u00f6niglicher Hofkonditor und herrschaftlicher Mundschenk in der Residenz, ist nun am Odeonsplatz 2 t\u00e4tig, dort wo sich um diese Zeit das mond\u00e4ne Caf\u00e9haus des Luigi Tambosi (sp\u00e4ter Annast) befunden hat. <a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> In diesem Umfeld von Luxus und Eleganz entwickelte sich bereits im 18. Jahrhundert eine neue raffinierte Kultur des Backwerks. Es waren haupts\u00e4chlich leichte Biskuit- oder Mandelgeb\u00e4cke, die zu den neumodischen Getr\u00e4nken Kaffee, Tee und Schokolade gereicht wurden.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Und damit sind wir bei einem weiteren Kapitel der Konditorkunst angelangt, der Schokolade. Bedingt durch die Ereignisse des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges kam die Schokolade erst zu einem Zeitpunkt nach Deutschland, als sich in Spanien, Italien und Frankreich in den Boudoirs der besseren Gesellschaft die Damen schon l\u00e4ngst an ihre morgendliche Schokolade gew\u00f6hnt hatten. Es ist bezeichnend, dass wir die erste Spur der Schokolade in unserem Lande auf einer <u>Apothekertaxe<\/u> aus dem Jahre 1640 finden. Die Ratsapotheke von Braunschweig berechnete f\u00fcr <em>Scocculata Indica <\/em>den horrenden Preis von <em>ein Pfund = 4 Gulden.<\/em><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Konditorei und die s\u00fc\u00dfe Verf\u00fchrung Schokolade sind inzwischen unzertrennliche Begriffe geworden. Die Franz\u00f6sin Jeanne Bourin schreibt in ihrem wundersch\u00f6nen Buch der Schokolade: Zitat \u201eIn der Konditorkunst nimmt die Schokolade einen bedeutenden Platz ein. Viele geniale Konditoren ...... haben es ihr zu verdanken, dass ihre Namen der Nachwelt erhalten geblieben sind. Auf ihre Rezepte gr\u00fcndeten sich Dynastien, wurden Imperien errichtet und Verm\u00f6gen angeh\u00e4uft\u201c.\u00a0 <a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> Die Schokoladentorte des Franz Sacher, 1832 Kocheleve beim F\u00fcrsten Metternich in Wien, ist ein gutes Beispiel hierf\u00fcr. Und doch kam\u00a0 die Essschokolade sp\u00e4t, eigentlich erst in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts, ins Spiel. Denn Schokolade war bis dahin haupts\u00e4chlich ein exklusives <u>Getr\u00e4nk<\/u>.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Dies \u00e4nderte sich erst, als es dem Holl\u00e4nder Coenraad Johannes van Houten im Jahre 1828 gelang, die Kakaobutter durch Abpressen zu separieren. Mit diesem Verfahren war der Weg frei f\u00fcr zwei neue Produkte: n\u00e4mlich dem ent\u00f6lten Kakaopulver, als Grundlage des modernen Schokoladengetr\u00e4nks und der feinen Essschokolade, wie wir sie heute so lieben. Den Konditoren aber war ein neues Material f\u00fcr ihre Kunst geschenkt. Fortan verarbeiteten sie feine Schokoladenmassen f\u00fcr immer raffiniertere Spezialit\u00e4ten. Der Chocolatier - ein Spezialist unter den Konditoren war geboren.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Mit der Essschokolade begann auch der Siegeszug der Praline. Dessertbonbons, wie man ihre Vorg\u00e4nger nannte, kannte man schon im 18. Jahrhundert. Zu ihnen z\u00e4hlten haupts\u00e4chlich die fl\u00fcssig gef\u00fcllten Lik\u00f6rbonbons und die zart schmelzenden Fondants. Aber erst durch die Verwendung der\u00a0 Schokolade und feiner Ingredienzien hat sich die Praline zu den sch\u00f6nsten und feinsten Produkten der modernen Konditorei entwickelt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Beleuchten wir noch einen weiteren Bereich der Konditorenkunst: das Speiseeis oder Gefrorenes wie es fr\u00fcher genannt wurde. Obwohl die Geschichte von geeisten S\u00fc\u00dfspeisen bis weit zur\u00fcck in die Antike f\u00fchrt, z\u00e4hlt Speiseeis eher zu den j\u00fcngeren Produkten der Konditorei. Mit dem Untergang des r\u00f6mischen Reiches geriet das Speiseeis in Europa n\u00e4mlich f\u00fcr einige Jahrhunderte in Vergessenheit bis es in Italien wieder \u201eentdeckt\u201c wurde. Ein Italiener war es auch, der 1686\u00a0 in Paris in der Rue des Fosse das Caf\u00e9 \u201eProcope\u201c er\u00f6ffnete: Francesco Procopio, ein Edelmann aus Palermo. Sein Haus wurde das erste Literatencaf\u00e9 der Welt. Voltaire, Rousseau, Beaumarchais und Balzac und viele andere Ber\u00fchmtheiten gingen dort ein und aus.\u00a0 Procopio verw\u00f6hnte seine G\u00e4ste mit Kaffee, Schokolade, mancherlei Lik\u00f6ren, s\u00fc\u00dfen Wein, Zuckerwerk und erstmals mit einem\u00a0 gefrorenen Dessert, <em>Glace<\/em>, genannt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Von Paris aus verbreitete sich die Kenntnis dieser exquisiten Schleckerei zun\u00e4chst zu den F\u00fcrstenh\u00e4usern Europas. In der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts scheint aber Gefrorenes in deutschen Landen schon weit verbreitet gewesen zu sein. Es geh\u00f6rte damals zum Sortiment der neu entstandenen Konditoreicaf\u00e9s und zur \"Feinen K\u00fcche\" der besseren Gesellschaft. Schon 1773 ist im\u00a0 \"Frauenzimmer-Lexicon\" eine Confect-Tafel beschrieben. U.A.: \"Die gefrorenen Fr\u00fcchte, gefrorenen Milche, Gelees und andre dergl. ges\u00fclzete Sachen m\u00fcssen sehr kurze Zeit vorhero aus den Formen, Modeln und Gefrierb\u00fcchsen herausgenommen werden, wenn sie beym Genusse des Desserts noch ihre gr\u00f6\u00dfte G\u00fcte haben sollen....\" Solche Figuren aus Speiseeis und sog. Eisbomben wurden von den Konditoren bis zum Zweiten Weltkrieg auf Bestellung hergestellt, kunstvoll geschminkt, geschm\u00fcckt und\u00a0 als sog. \u201eEisservice\u201c zu Familienfesten ins Haus geliefert.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Der Konditor verstand es also schon immer, mit seinen sch\u00f6n gestalteten Produkten die festlichen und gro\u00dfen Stunden des Lebens zu bereichern und auf diese Weise Lebensfreude zu vermitteln. Dekor und Form waren dabei stets vom Geschmack der Zeit bestimmt, wobei allerdings die verschn\u00f6rkelten Formen des Barock und Rokoko bis ins 20. Jahrhundert hinein dominierten.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Erst der kunstbegabte Absolvent der Weimarer Bauhausschule und Konditormeister Bernhard Lambrecht brach 1929 in seinem Erstlingswerk <a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> erstmals radikal mit dem alten \u201eZuckerb\u00e4ckerstil\u201c. In seinem 1950 erschienenen sp\u00e4teren Hauptwerk \u201eDas Gebot der Leckerheit\u201c verk\u00fcndet er die konditorlichen Materialgesetze, als die sind: Materialsch\u00f6nheit, Materialechtheit, Materialgebundenheit. Er erl\u00e4utert seine Visionen vom zweckgebundenen Gestalten, von der \u201eForm\u201c und von der \u201eFarbe\u201c im Konditorhandwerk. Seine Gedanken beeinflussen bis heute die moderne Konditorkunst, die sich auf dieser Grundlage weiter entwickelt hat und heute in der Welt ganz oben steht.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Meinen Vortrag schlie\u00dfe ich mit einem passenden Zitat des Johann Wolfgang von Goethe, der, wie gesagt, ein gro\u00dfer Freund der Konditoren und ihrer s\u00fc\u00dfen Verf\u00fchrungen gewesen ist:<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Zitat \u201eDie Menschheit, merk ich, mag noch so sehr zu ihrem h\u00f6chsten Ziele vorschreiten, die Zuckerb\u00e4cker r\u00fccken immer nach.\u201c<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Schrott, Herrscher Bayerns, S. 151<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Bursche, Tafelzier des Barock S. 101<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Bursche, Tafelzier des Barock S. 104<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Hans Sonntag, J\u00fcrgen Karpinski \u201eMeissener Porzellan Sch\u00f6nheit im Detail\u201c, Leipzig 1998, S. 11 ff<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> O. Allmann \u201eGeschichte der deutschen B\u00e4cker- und Konditor-Bewegung\u201c Erster Band. Hamburg 1910, S. 251 - 296<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> nach Schlichth\u00f6rle \u201eGewerbebefugnisse\u201c M\u00fcnchen 1844. Zitiert bei Allmann S. 252<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Allmann S. 277<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Ernst v. Destouche \u201eGeschichte der Gewerbe M\u00fcnchens\u201c 1848. Zitiert bei Allmann S. 276<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Im 1842 erstmals erschienenen M\u00fcnchner Adressbuch sind die folgenden Konditoren zu finden: Falk \u2013 Schrannenplatz (jetzt Marienplatz), Fink \u2013 Theatinerstra\u00dfe, G\u00e4rtner \u2013 Althamereck, Hettig \u2013 Schannerstra\u00dfe, Quante \u2013 Mazaristra\u00dfe, Reiter \u2013 Kaufingerstra\u00dfe, Re\u00dfler \u2013 Neuhausergasse, Rottenh\u00f6fer \u2013 Residenzstra\u00dfe, Schmid \u2013 Amalienstra\u00dfe, Teichlein \u2013 Promenadeplatz, Unger, Hofkonditor \u2013 Kanalstra\u00dfe, Wagner - Rosental.\u00a0 Zitiert bei Allmann S. 291<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Jeanne Bourin, usw. \u201eDas Buch der Schokolade\u201c Heyne Verlag M\u00fcnchen 1996<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Bernhard Lambrecht \u201eVom neuen Stil in der Konditoreikunst\u201c Wolfenb\u00fcttel 1929<\/p>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div><div id=\"pg-696-1\"  class=\"panel-grid panel-no-style\" ><div id=\"pgc-696-1-0\"  class=\"panel-grid-cell panel-grid-cell-empty\" ><\/div><div id=\"pgc-696-1-1\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-696-1-1-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-button panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"1\" ><div class=\"so-widget-sow-button so-widget-sow-button-atom-0d09f205a5a6\"><div class=\"ow-button-base ow-button-align-center\">\n\t<a href=\"https:\/\/conditorei-museum.de\/index.php\/fachtexte\/\" class=\"ow-icon-placement-left ow-button-hover\" \t\t>\n\t\t<span>\n\t\t\t\n\t\t\tFachtexte\t\t<\/span>\n\t<\/a>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><div id=\"pgc-696-1-2\"  class=\"panel-grid-cell\" ><div id=\"panel-696-1-2-0\" class=\"so-panel widget widget_sow-button panel-first-child panel-last-child\" data-index=\"2\" ><div class=\"so-widget-sow-button so-widget-sow-button-atom-0d09f205a5a6\"><div class=\"ow-button-base ow-button-align-center\">\n\t<a href=\"https:\/\/conditorei-museum.de\/index.php\/impressum\/\" class=\"ow-icon-placement-left ow-button-hover\" \t\t>\n\t\t<span>\n\t\t\t\n\t\t\tImpressum\t\t<\/span>\n\t<\/a>\n<\/div>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Der Versuch, die Geschichte der Konditorkunst im Rahmen eines Vortrags oder einer Ausstellung darzustellen, das hie\u00dfe das Meer aussch\u00f6pfen zu wollen. Denn gro\u00df und vielschichtig ist die Thematik. Marzipan und Schokolade, Zucker, Torten und all die anderen Leckereien aus der Konditorei haben jede ihre eigene spannende und gro\u00dfe Geschichte.\u00a0 Es kann also heute nur darum gehen, Ihnen aus der reichhaltigen Handwerksgeschichte ein paar feine \u201ePetit fours\u201c, allesamt \u201eMeisterwerke der Konditorkunst\u201c, vorzustellen und Ihr Interesse f\u00fcr dieses faszinierende Handwerk zu wecken.\u00a0Unsere kleine Zeitreise, zu der ich Sie einlade, beginnt am 12. Juni 1747. An diesem Tage wurde in M\u00fcnchen und Dresden<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"page-templates\/template-full-width.php","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/conditorei-museum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/696"}],"collection":[{"href":"https:\/\/conditorei-museum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/conditorei-museum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/conditorei-museum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/conditorei-museum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=696"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/conditorei-museum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/696\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":766,"href":"https:\/\/conditorei-museum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/696\/revisions\/766"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/conditorei-museum.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=696"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}